5-Achs-Fräsen: Komplettbearbeitung für anspruchsvolle Bauteilgeometrien

Wenn Konstruktionen schräge Bohrungen, enge Lagetoleranzen über mehrere Bauteilseiten oder komplexe Freiformflächen fordern, stoßen herkömmliche Fertigungsmethoden an ihre physikalischen Grenzen. Das 5-Achs-Fräsen löst diese technologische Herausforderung durch die räumliche Positionierung des Werkstücks zum Werkzeug. Statt das Werkstück für jede Kontur neu auszurichten, fertigen die Bearbeitungszentren die Komponente nahezu vollständig in einer einzigen Aufspannung. Der Verzicht auf manuelle Umspannvorgänge sichert die exakte Maßhaltigkeit zwischen den Bearbeitungsflächen und verkürzt die Durchlaufzeit vom Rohteil bis zur Versandfreigabe. ZTS verbindet die kinematischen Möglichkeiten moderner Mehrachs-Zentren mit einer durchgängig digitalen Programmierung, um sicherheitsrelevante Bauteile für den Maschinenbau, die Wehrtechnik und die Medizintechnik spezifikationsgerecht herzustellen.

Vermeidung von Lageabweichungen durch reduzierte Rüstvorgänge

Bei der klassischen Bearbeitung auf drei Achsen muss der Zerspanungsmechaniker das Werkstück für das Fräsen der Rückseite oder der Flanken ausspannen, wenden und neu fixieren. Jeder dieser manuellen Schritte birgt in der Werkstattpraxis Risiken. Ein Metallspan, der sich unbemerkt zwischen Werkstück und Schraubstockbacke setzt, oder ein minimales Verkanten beim Einlegen führt zu einem Verlust des Nullpunkts.

Die 5-Achs-Bearbeitung umgeht dieses Risiko konstruktiv. Die Maschine erreicht fünf von sechs Seiten des Rohteils in einem durchgehenden Arbeitsgang. Die Lagetoleranzen – wie etwa die Symmetrie von tiefen Nuten oder die Koaxialität von Bohrungen zueinander – bleiben über das gesamte Bauteil hinweg exakt erhalten. Der Bezugspunkt verschiebt sich nicht, was die Maßhaltigkeit bei komplexen Teilen prozesssicher reproduzierbar macht und den Ausschuss minimiert.

Automatisierung und erhöhter Durchsatz in unbemannten Schichten

Die 5-Achs-Technologie entfaltet ihren technologischen Hebel besonders im automatisierten Betrieb. Werden die Maschinen über Roboterzellen oder Palettensysteme für die Nachtschicht beladen, zeigt sich ein klarer Durchsatzvorteil. Ein automatisiertes 3-Achs-Zentrum bearbeitet in einer solchen Schicht oft nur eine einzige Seite einer Charge an Werkstücken. Am nächsten Morgen stehen Paletten voller Halbzeuge bereit, die alle händisch gewendet werden müssen.

Eine 5-Achs-Maschine arbeitet das Bauteil über Nacht nahezu komplett ab. Der Werker entnimmt am Morgen Bauteile, die bis auf die letzte Abtrennseite fertig gefräst sind. Diese fertigungstechnische Taktung erhöht den Output der Spindelstunden und verkürzt die Lieferzeiten für Serienbauteile, da Liegezeiten zwischen den Bearbeitungsschritten entfallen.

Kinematischer Unterschied zwischen 3+2-Positionierung und Simultanbearbeitung

Das Fräsen auf fünf Achsen unterteilt sich in zwei physikalisch und steuerungstechnisch unterschiedliche Verfahren. Beim sogenannten 3+2-Fräsen schwenkt die Maschine den Tisch oder den Fräskopf in einen definierten Winkel. Anschließend werden die Rotationsachsen mechanisch geklemmt. Die Spanabnahme erfolgt dann starr über die Bewegungen der drei Linearachsen (X, Y, Z). Diese Methode bietet hohe Stabilität und eignet sich für das Bohren schräger Löcher oder das Planfräsen angewinkelter Flächen.

Die 5-Achs-Simultanbearbeitung verlangt der Steuerung eine konstante Bahnberechnung ab. Hierbei bewegen sich alle fünf Achsen während des Fräsens kontinuierlich und dynamisch im Raum. Die Rotationsachsen sind nicht fixiert, sondern führen das Werkstück parallel zur Fräserbewegung. Die Schneide folgt exakt der programmierten Wölbung. Dieses Verfahren ist die technische Grundvoraussetzung für die Herstellung von Turbinenrädern, strömungsoptimierten Gehäusen oder fließenden Freiformflächen im Werkzeugbau.

Kollisionsfreie Werkzeugwege durch CAM-Steuerung

Die Bewegungen von Spindel, Schwenktisch und Werkzeug im engen Maschinenraum lassen sich bei fünf Achsen nicht mehr fehlerfrei am Bedienpult programmieren. Die Gefahr einer unvorhergesehenen Kollision zwischen dem Werkzeughalter und den Spannmitteln ist zu hoch.

Der Fertigungsprozess bei ZTS basiert daher vollständig auf dem CAM-System Hypermill. Die Arbeitsvorbereitung liest die STEP- oder IGES-Daten ein und berechnet die Anstellwinkel. Eine digitale Kinematik-Simulation verifiziert den gesamten Ablauf am Bildschirm. Das System prüft die Kontur auf Hinterschnitte, legt den idealen Werkzeugwinkel zur Vermeidung von Vibrationen fest und warnt vor Kollisionen. Erst nach der fehlerfreien Simulation am digitalen Zwilling überträgt der Postprozessor den Maschinencode an das Bearbeitungszentrum.

Verifizierung enger Toleranzketten im 20-Grad-Umfeld

Eine Fräsmaschine für hochpräzise Aufgaben benötigt eine entsprechende Prüfinstanz, um die gefertigten Toleranzen zu validieren. Form- und Lagetoleranzen, die bei einem 5-Achs-Teil oft in geometrischen Bezügen über mehrere Seiten verknüpft sind, messen wir im klimatisierten Messraum.

Bei normierten 20 Grad Celsius entfällt der Einfluss der thermischen Ausdehnung auf das Messergebnis. Die 3D-Koordinatenmesstechnik tastet die gefrästen Freiformflächen und schrägen Ebenen ab und gleicht die Ist-Geometrie direkt mit dem CAD-Datensatz ab. Die ermittelten Werte fließen in detaillierte Prüfberichte (EMPB) ein. Das liefert technischen Einkäufern den dokumentierten Nachweis, dass das Bauteil den Spezifikationen entspricht und reibungslos in die Endmontage übernommen werden kann.

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FAQ

Durch die Möglichkeit, den Fräser im Raum zu neigen, lässt sich der Anstellwinkel zum Werkstück optimieren. Bei Kugelfräsern wird vermieden, dass diese mit der reibungsintensiven, theoretisch stehenden Spitze im Zentrum fräsen. Stattdessen erfolgt der Schnitt über die seitliche Schneidflanke. Das ermöglicht höhere Schnittgeschwindigkeiten, erzeugt einen besseren Spanabfluss und erhöht die Standzeit der Werkzeugbeschichtung.

Da das Werkstück im Schraubstock gehalten wird, bleibt eine Seite unbearbeitet. Für das Fräsen dieser sechsten Seite wird das Teil umgespannt – meist auf eine 3-Achs-Maschine. Um Beschädigungen an den bereits gefertigten, empfindlichen Außenkonturen zu vermeiden, nutzen wir formgefräste weiche Backen aus Aluminium oder spezielle Kunststoff-Spannzangen, die sich exakt an die Geometrie des Werkstücks anlegen.

Sämtliche Positionstoleranzen, Koaxialitäten und Symmetrien. Wenn zwei Bohrungen auf gegenüberliegenden Seiten exakt fluchten müssen, entstehen bei jedem manuellen Umspannen Additionsfehler in der Maßkette. Da die 5-Achs-Maschine beide Seiten durch das Schwenken des Tisches in einem Durchgang erreicht, entfällt der Nullpunktversatz. Die Toleranz wird auf das Genauigkeitsniveau der Maschinenachsen reduziert.

Ja. Prismatische Bauteile wie flache Grundplatten, die nur von einer Seite mit einfachen Bohrbildern und geraden Nuten versehen werden, profitieren nicht von den Schwenkachsen. Hier ist die 3-Achs-Bearbeitung aufgrund der geringeren Maschinenstundensätze und der höheren statischen Stabilität die technisch und kaufmännisch bessere Wahl.

Der Express-Durchlauf greift, wenn das Bauteil aus lagerhaltigen Standardwerkstoffen (wie AlMgSi1 oder 1.4301) gefertigt wird und keine externen Prozesse wie Härten oder galvanische Beschichtungen erfordert. Technische Basis für den Sofortstart ist ein fehlerfreies STEP-Modell, das direkt in die CAM-Umgebung eingelesen wird, kombiniert mit einer PDF-Zeichnung für die Definition der Passungen.

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